Ökologische Nachhaltigkeit
Das Zürcher Theater Spektakel beschäftigt sich seit den 2000er-Jahren systematisch mit ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit. Intensive Bemühungen um den Abbau von Barrieren haben 2015 zu dem Label Kultur Inklusiv geführt. 2019 haben wir eine diversitätsorientierte Organisationsentwicklung begonnen. 2023/2024 erstellten wir eine umfassende CO2- und Klimabilanz, um weiteres Verbesserungspotenzial zu identifizieren. Mit durchschnittlich rund acht kg CO2 pro Besuch liegt das Theater Spektakel deutlich unter vielen anderen Festivals und Kulturinstitutionen. Aktuell arbeiten wir an einem Gemeinwohlbericht, der unser Engagement in weiteren Nachhaltigkeitsdimensionen untersucht.
Programm
Mit seinem gesellschaftlich engagierten Programm und zahlreichen Diskursveranstaltungen schafft das Theater Spektakel Raum für Information, Reflexion und Dialog zu Nachhaltigkeitsthemen. Der internationale Resonanzraum bringt es mit sich, dass viele Künstler*innen sich in ihren jeweils spezifischen Kontexten mit Fragen von Klimawandel, Ressourcenverbrauch, Migration, sozialer Ungleichheit, Diversität und postkolonialen Fragen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens beschäftigen. Projekte im öffentlichen Raum wie 2024 der gestrandete Wal am Utoquai oder 2025 die schwimmenden SUVs im Zürichsee machten diese Fragestellungen weit in die Stadtgesellschaft hinein sichtbar und zugänglich.
Infrastruktur und Ressourcen
Bei Bauten, Materialeinsatz und Logistik setzen wir auf langlebige und ressourcenschonende Lösungen. Der grösste Teil der Infrastruktur wird jährlich auf- und abgebaut, eingelagert und wiederverwendet. Mobiliar, Maschinen und Fahrzeuge werden überwiegend gemietet und mehrfach genutzt.
Gastronomie
Die Gastronomie-Betreiber*innen arbeiten bevorzugt mit lokalen Anbieter*innen aus Zürich und Umgebung sowie mit regionalen Produkten. Dies gilt für Gemüse und Obst und insbesondere auch für das Fleisch. Das Angebot setzt seit einigen Jahren verstärkt auf vegetarische und vegane Gerichte. Das Restaurant «Ensemble» hat in Zusammenarbeit mit der ZHAW das Prinzip der «Weltkugelmenüs» entwickelt, das den Gästen eine einfache Orientierung über die Nachhaltigkeit und Generationenverträglichkeit ihrer Gerichte ermöglicht.
Geschirr und Besteck wird vor Ort abgewaschen und wiederverwendet. Wo dies nicht möglich ist, werden Behältnisse verwendet, die rezyclierbar sind. Der Abfall wird getrennt nach rezyklierbaren Stoffen, Bioabfällen und Speiseresten (Kompogas) und Restmüll, der verbrannt wird. Abfalltrennstationen erleichtern Gästen wie Mitarbeitenden das Sortieren der Abfälle. Die Gastrobetriebe kontrollieren die Sortierung der Abfälle aus ihrem Betrieb. So sorgen sie für möglichst geringe Verunreinigung der rezyklierbaren Stoffe und eine energieeffiziente Entsorgung. Mit gemeinsamen Bestellungen wird die Zahl der Lieferfahrten möglichst gering gehalten.
Energie
Als Sommerfestival in temporären Bauten benötigen wir wenig Energie, da keine Gebäude ganzjährig beheizt oder gekühlt werden müssen. Dennoch wird auf dem gesamten Festival Solarstrom eingesetzt, Girlanden sowie Arbeits- und Dekorationsleuchten basieren auf stromsparender LED-Technologie.
Mobilität von Team und Künstler*innen
Die Reisen von Künstler*innen und Visionierungsreisen unserer Programmgruppe sind für ein internationales Festival unverzichtbar. Gleichzeitig verfolgen wir das Ziel, Mobilität möglichst klimaverträglich zu gestalten.
Viele Meetings finden hybrid statt, um Reisewege zu reduzieren. Soweit möglich, reisen Künstler*innen und Team mit dem Zug, für Flugreisen gibt es Kilometer- und Stundenschwellen. Reisen des Teams werden möglichst mit mehreren Visionierungen, Treffen oder lokalen Austauschformaten kombiniert. Bei internationalen Gastspielen arbeiten wir mit anderen Festivals zusammen, um Tourneen zu bündeln und Reisen effizienter zu gestalten.
Mobilität des Publikums
Das Festivalgelände ist sehr gut an den öffentlichen Verkehr angebunden. Eintrittskarten gelten gleichzeitig als Fahrausweis im Zürcher Verkehrsverbund und fördern die Nutzung des öffentlichen Verkehrs. Zudem stehen rund 500 Veloparkplätze sowie eine nahegelegene temporäre PubliBike-Station zur Verfügung.
Soziale Nachhaltigkeit
Das Zürcher Theater Spektakel versteht sich als Festival für alle und fördert mit einem vielfältigen, inklusiven Programm den Zugang zu Kultur für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Das Festival schafft Begegnungsräume für kulturellen Austausch, gesellschaftlichen Dialog und gemeinschaftliches Erleben.
Inklusion und Teilhabe
Neben einem vielfältigen niederschwelligen Programmangebot unterstützen barrierearme Zugänge und die kontinuierliche Verbesserung der Infrastruktur die Teilhabe von Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Fast alle Vorstellungen sind untertitelt und damit verschiedenen Sprachgruppen zugänglich. Mit vergünstigten Eintritten bis hin zu kostenlosen Solitickets möchten wir sicherstellen, dass niemand aus finanziellen Gründen ausgeschlossen wird.
Seit Jahren entwickeln wir das Festival zu einem inklusiven und diskriminierungskritischen Raum weiter. Während des Festivals ist ein Awareness-Team im Einsatz. Zusätzlich stehen eine Hotline, ein Safer Space sowie Rückzugsorte für Künstler*innen und Mitarbeitende zur Verfügung.
Partnerschaften
Innerhalb unseres internationalen Festivalnetzwerks verstehen wir uns als unterstützender Partner für «emerging artists» und Künstler*innen aus dem globalen Süden – die wir versuchen, etwa als Koproduzent, über Nachwuchs- und Anerkennungspreise oder durch Begegnungsprogramme zu begleiten.
Arbeitsbedingungen
Wir engagieren uns für faire Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende, temporäre Angestellte, Partnerbetriebe und Künstler*innen. Bei Personalentscheiden, Programmgestaltung und Kooperationen achten wir auf faire Geschlechterbeteiligung und vielfältige Perspektiven. Ein respektvoller, diskriminierungsfreier und sicherer Umgang wird aktiv gefördert, unter anderem durch einen Code of Collaboration, der Teil aller Arbeitsverträge ist. Regelmässige Weiterbildungen stärken ein respektvolles Arbeitsumfeld.
Weiterentwicklung und Potenziale
Ein internationales Festival der Grössenordnung des Theater Spektakels wird immer unter anderem Mobilität erfordern und daher Emissionen verursachen. Dennoch prüfen wir laufend weitere Möglichkeiten.
Gleichzeitig sind internationaler Austausch, die Förderung von Künstler*innen, kulturelle Vielfalt und globale Perspektiven zentrale Angebote des Theater Spektakels für die sich verändernde Stadtgesellschaft Zürich. Diese Rolle des Festivals den Anforderungen der Zeit entsprechend weiterzuentwickeln, ist unser Ziel.
Klima Bilanzierung 2024
Im Winter 2024/25 hat das Team des Zürcher Theater Spektakels zusammen mit der Firma Carbotech eine Klimabilanz der letzten Festivalauflage erstellt. Das Ergebnis ist gleichzeitig erfreulich und eine Herausforderung. Die Gesamtmenge an Emissionen sind gut 960 Tonnen CO2. Pro Besucher wären das rund 8 kg. Der pro Kopf Verbrauch liegt in der Schweiz laut myclimate bei 12 t pro Jahr. Das ist also ist ein erfreulich niedriger Betrag (entspricht ca. 50 km Fahrt mit einem Auto), sowohl absolut als auch im Vergleich zu anderen Festivals.
Diese Zahl spiegelt wieder, dass das Festival bereits seit Jahren viele Anstrengungen unternimmt, den Verbrauch zu reduzieren. Die grossen Anteile an den Gesamt-Emissionen entstehen durch die Mobiliät der Künstler*innen, die Gastronomie und die Druckerzeugnisse. Dieses Ergebnis war so ähnlich zu erwarten und bestätigt uns, an den Stellschrauben weiterzudrehen, an denen wir bereits seit Jahren arbeiten.