Silke Huysmans & Hannes Dereere

Mining Stories

Brasilien  / Belgien

Nominiert für den ZKB Förderpreis und den ZKB Publikumspreis

Am 5. November 2015 brach der Staudamm einer Eisenerzmine im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Eine giftige Schlammflut zerstörte mehrere Dörfer und ergoss sich in den Rio Doce. Das belgische Duo Silke Huysmans und Hannes Dereere hat diesem für Menschen und Umwelt verheerenden Unglück ein kurzes, unglaublich dichtes dokumentarisches Hörstück für viele Stimmen gewidmet, das durch seine nüchterne formale Konsequenz beeindruckt. Alles ist Sprache in «Mining Stories», von Stimmen aus dem Off gesprochen und auf unzählige Tafeln im Bühnenraum projiziert: Betroffene, Fachleute und Politiker kommen zu Wort. Die Performerin Silke Huysmans orchestriert die Textfragmente via Sampler, den sie mit den Füssen bedient, und entfacht so einen wahren Gedankensturm – der nachhaltig wirkt. (kdi)

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Eine junge Frau steht auf einer nahezu leeren Bühne. Sie zieht ein Blatt Papier aus ihrer Hosentasche, entfaltet es und hält es vor sich hin. «Hallo, ich bin Silke», ist darauf zu lesen. Silke spricht nicht. Das Papier dient als Projektionsfläche für ihren Text. Sie sei in Mariana aufgewachsen, erfahren wir, einer Stadt im Südosten von Brasilien, ganz in der Nähe des Ortes, wo am 5. November 2015 der Staudamm einer Eisenerzmine brach. Eine giftige Schlammflut zerstörte mehrere Dörfer, ergoss sich in den Rio Doce und vernichtete alles Leben im Fluss. «Mining Stories» ist eine dokumentarische Theaterperformance über eine der grössten Berg- baukatastrophen der letzten Jahre. Das belgische Duo Silke Huysmans und Hannes Dereere hat diesem verheerenden Unglück für Menschen und Umwelt ein kurzes, unglaublich dichtes Hörstück für viele Stimmen gewidmet, das durch seine for- male Konsequenz beeindruckt. Und sehr zu den- ken gibt. Huysmans und Dereere haben unzählige Gespräche und Interviews mit Betroffenen vor Ort und mit Experten geführt. Alle kommen zu Wort in diesem Theater-Essay, und alle erzählen die Geschichte des Unglücks aus ihrer je eigenen Perspektive: Betroffene, Psychologen, Neurologen, Ökonomen, Umweltaktivisten, Politiker und auch die verantwortliche Bergbaugesellschaft. Es geht um Schuld, Verantwortung, Profit, Auflehnung, Verzweiflung, Religion. Und immer wieder ums Erinnern und Vergessen. Huysmans und Dereere geht es mit ihrer Arbeit nicht um die Katastrophe selbst oder darum, die Schuldfrage zu klären. Sie möchten mit «Mining Stories» vielmehr sichtbar machen, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte und wie komplex die Folgen in der betroffenen Region sind, ökonomisch, ökologisch, sozial. Sie tun dies ohne ein einziges Bild zu zeigen. Bilder würden bloss Emotionen wecken, sagt Silke Huysmans. Und so ist in dieser aussergewöhnlichen Performance alles Sprache: Zu hören sind Stimmen aus dem Off, und zu sehen ist Text, der auf Tafeln projiziert wird. Die einen sind an der Wand im Bühnenhintergrund angebracht und mit Namen versehen, Lindsay, Luc, Stef, Paul, Regina – das sind die Fachleute, WissenschaftlerInnen und Politiker. Andere stehen auf der Bühne wie Schilder – sie stellen die Menschen in dieser Bergbauregion dar und werden von der Performerin je nach Bedarf positioniert. Silke Huysmans selbst ist die einzige sichtbare Person. Sie erteilt über einen Sampler, den sie mit den Füssen bedient, dem einen oder anderen oder mehreren gleichzeitig das Wort, wählt aus, klickt an, klickt aus, orchestriert die Stimmen. Textfragmente fliegen dem Publikum um die Ohren und entfachen einen Gedankensturm. Der nachhaltig wirkt. (kdi)

Künstlerische Leitung und Besetzung

VonSilke Huysmans und Hannes Dereere
Per­formanceSilke Huysmans
Dramaturgische BeratungDries Douibi
Technische UnterstützungChristoph Donse
SzenografieFrédéric Aelterman, Luc Cools
Transkription aus dem Portugiesi­schenLuanda Casella, Miguel Cipriano
Übertite­lungAnneliese Ostertag (deutsche Übersetzung)
FotoSarah Oyserman

Produktion

ProduktionPianofabriek Kunstenwerkplaats, Festival Bâtard
KoproduktionFestival Noorderzon, KAAP Creative Compass Residenzen Veem House for Performance, Campo, CC De Grote Post, KAAP Creative Compass, Grand Theatre Groningen, Piano- fabriek Kunstenwerkplaats, Vooruit Arts Centre
UnterstützungVlaamse Gemeenschapscommissie, Sabam For Culture
Dank analle Gesprächspartner
PremiereFestival Bâtard Brüssel, November 2016

Süd

Lageplan

DOKUMENTARISCHE THEATER-PERFORMANCE

Dauer

60 Min.

Sprache

Englisch, Flämisch und Portugiesisch, mit deutschen Übertiteln

Ein inklusiver Anlass

Zugänglich mit Rollstuhl Mit Untertiteln Mit induktiver Höranlage

Vorstellungen

Vorstellungen ab heute
  • So 26.08. 19:00 - 20:00 CHF 32.–/22.– 
  • Mo 27.08. 19:00 - 20:00 CHF 32.–/22.– 
  • Di 28.08. 19:00 - 20:00 CHF 32.–/22.– 

Spielplan