Marta Górnicka

Hymn do miłości (Hymne an die Liebe)

Polen

Nominiert für den ZKB Förderpreis und den ZKB Publikumspreis

«Noch ist Polen nicht verloren, noch, noch, noch …» Mit diesem Satz aus der polnischen Nationalhymne beginnt Marta Górnickas Chorperformance «Hymne an die Liebe». Es ist ein kurzer Abend von atemberaubender, gnadenloser Konsequenz. Polen steht hier stellvertretend für ein Europa in der Krise. Die polnische Sängerin und Regisseurin zitiert in ihrem Libretto Aussagen von Politikern, Fundamentalisten und Terroristen und konfrontiert sie mit Pop-Songs und patriotischen Liedern. Mit Verve bemächtigt sich ihr Chor der Sprache, zerpflückt, zerhackt, dehnt und würgt sie, und schmeisst die Worte wie Geschosse schreiend, flüsternd, bellend ins Publikum. «Ich spreche oder eher schreie mithilfe der Chor-Macht von den Gefahren, die eine selbstverliebte Gemeinschaft heraufbeschwören kann», sagt Górnicka. (kdi)

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Um Polen wird es in dieser formal hochpräzisen Sprechchoreografie für Chor und Kuscheltiere weiterhin gehen. Doch steht dieses Polen, das aus der eigenen Geschichte nichts gelernt zu haben scheint und sich hinter einem religiös verbrämten Nationalismus gegen alles Fremde verschanzt, stellvertretend für ein Europa in der Krise. «Das heutige Europa ist wie ein verfluchtes Haus aus einer antiken Tragödie, mit ganz neuen Helden, neuen Breiviks und neuen Trumps und neuen Verbrechen», sagt Górnicka. «In diesem Haus hat sich ein alter Familiendämon eingenistet – und es ist möglich, dass er es nicht wieder verlässt, ehe er nicht seinen Blutdurst gestillt hat.»In ihrem Libretto zitiert Górnicka Erklärungen von Politikern sowie Aussagen von Fundamentalisten und Terroristen und konfrontiert sie mit Pop-Songs und patriotischen Liedern. Der 25-köpfige Chor besteht aus Menschen unterschiedlicher Herkunft und Weltanschauung und ist damit ein Abbild real existierender Gesellschaften. Es sind professionelle SchauspielerInnen, Amateure, Kinder, SeniorInnen und Menschen mit Behinderung. In einem Gewaltakt bemächtigt sich die Gruppe der Sprache, zerpflückt, zerhackt, dehnt Volkslieder, Kirchengesänge. Zum Ende hin das «Agnus Dei» aus Bachs Matthäus-Passion: «Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen …» Klage und Anklage werden laut in dieser«Hymne», in der Liebe «eine pervertierte Form der Nächstenliebe» bedeutet, so Marta Górnicka. Die Stimme ist für die Sängerin und Regisseurin das mächtigste Instrument im Theater. Und der Chor eine Notwendigkeit. Weil er als Gemeinschaftsform automatisch Fragen nach der Möglichkeit von Gemeinschaft aufwerfe. «Es war vor allem der Glaube an die Gemeinschaft, der in mir das Konzept eines Chortheaters ausgelöst hat», sagt Górnicka. Um den Frauen in Polen eine Stimme zu geben, gründete sie den Chor der Frauen (Chór Kobiet); 2012 war ihre erste Inszenierung«Hier spricht der Chor» am Theater Spektakel zu sehen. «Jetzt spreche oder eher schreie ich mithilfe der Chor-Macht von den Gefahren, die eine selbstverliebte Gemeinschaft heraufbeschwören kann.» (kdi)

Künstlerische Leitung und Besetzung

Idee, Text & Regie Marta Górnicka
Mit Sylwia Achu, Anna Andrzejewska, Maria Chleboś, Konrad Cichoń, Piotr B. Dąbrowski, Tymoteusz Dąbrowski, Maciej Dużyński, Anna Maria Gierczyńska, Paula Głowacka, Maria Haile, Anna Jagłowska, Wojciech Jaworski, Borys Jaźnicki, Katarzyna Jaźnicka, Ewa Konstanciak, Irena Lipczyńska, Kamila Michalska, Izabela Ostolska, Filip Piotr Rutkowski, Michał Sierosławski, Ewa Sołtysiak, Kaja Stępkowska, Ewa Szumska, Krystyna Lama Szydłowska, Anastazja Żak
Dramaturgie Agata Adamiecka
Choreografie Anna Godowska
Bühnenbild Robert Rumas
Musik Teoniki Rożynek
Kostüme Anna Maria Karczmarska
Puppen Konrad Czarkowski (Kony Puppets)
Licht­ design Artur Sienicki
Inspizienz Andrzej Szwaczyk
ProduktionsleitungIzabela Dobrowolska, Agnieszka Różyńska
Regie­assistenz Arnold Prządka
Choreografieassistenz Anna Krysiak
Kostüm­assistenz Agnieszka Majkutewicz
Musikalische Beratung &
Vocal Coach Joanna Piech-Sławecka
Übertitelung Andreas Volks (deutsche Übersetzung), Artur Zapałowski (englische Übersetzung), Marek Susdorf (Operator)    

Produktion

Koproduktion The Chorus of Women Foundation, Teatr Polski w Poznaniu, Ringlokschuppen Ruhr, Maxim Gorki Theater Berlin Partner Goethe-Institut, Center for Contemporary Art Ujazdowski Castle
Unterstützung Stadt Warschau, Kunststiftung NRW
Premiere Teatr Polski w Poznaniu, Polen, Januar 2017
Foto Magda Hueckel

Werft

Lageplan

CHORISCHES THEATER

Dauer

50 Min.

Sprache

Polnisch mit deutschen und englischen Übertiteln

Publikumsgespräch

Fr 17.8.

Ein inklusiver Anlass

Zugänglich mit Rollstuhl Mit Untertiteln Mit induktiver Höranlage

Dank

Die Aufführungen am Theater Spektakel werden unterstützt von ZH-REFORMATION.CH und sind Teil des gleichnamigen Jubiläums.

Links

Vorstellungen

Vorstellungen ab heute
  • Do 16.08. 20:00 - 20:50 CHF 48.–/28.– 
  • Fr 17.08. 20:00 - 20:50 CHF 48.–/28.– 
  • Sa 18.08. 20:00 - 20:50 CHF 48.–/28.– 

Spielplan